BOS-Funk – die Grundlagen des Digitalfunks verständlich erklärt
BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben: Polizei, Feuerwehr, THW, Rettungsdienst, Zoll und die Einheiten des Katastrophenschutzes. Sie alle kommunizieren über ein gemeinsames, nicht öffentliches Funknetz – den Digitalfunk BOS. Wer neu in der Sprechfunkausbildung ist, bekommt hier die technischen Grundlagen kompakt erklärt: das Netz, die Rufgruppen, die Betriebsmodi und die Endgeräte. Die Betriebsabwicklung – Anruf, Betriebsworte, Buchstabieren – steht gesondert unter Sprechfunk-Regeln.
Kurz gesagt
BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Sie funken über ein gemeinsames, verschlüsseltes TETRA-Netz, den Digitalfunk BOS. Statt Kanälen gibt es Rufgruppen als logische Gesprächskreise; TMO läuft über das Netz, DMO direkt zwischen den Geräten. Die Endgeräte heißen HRT, MRT und FRT und senden ihre OPTA mit.
Das Netz: TETRA, bundesweit und verschlüsselt
Der Digitalfunk BOS basiert auf dem europäischen Standard TETRA (Terrestrial Trunked Radio) und wird von der BDBOS (Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) gemeinsam mit den Ländern betrieben. Mit tausenden Basisstationen ist es eines der größten TETRA-Netze der Welt und deckt Deutschland nahezu flächendeckend ab.
Anders als beim alten Analogfunk ist die Kommunikation verschlüsselt – einfaches Mithören mit einem Scanner, wie es im Analogfunk möglich war, scheidet aus. Trotzdem gilt im Sprechfunk weiterhin Zurückhaltung bei Namen und personenbezogenen Daten: Was gesendet wird, hören alle Funkstellen der Rufgruppe.
Rufgruppen statt Kanäle
Im Analogfunk wählte man einen Kanal – eine Frequenz, auf der alle in Reichweite mithörten. Der Digitalfunk arbeitet stattdessen mit Rufgruppen: logischen Gesprächskreisen, die unabhängig von Frequenzen funktionieren. Wer dieselbe Rufgruppe geschaltet hat, gehört zum selben Gesprächskreis – egal ob die Teilnehmer nebeneinander stehen oder hundert Kilometer auseinander sind.
- Gruppenruf ist der Regelfall: Eine Durchsage erreicht alle Funkstellen der Rufgruppe gleichzeitig.
- Rufgruppen sind taktisch gegliedert – etwa nach Organisation, Landkreis oder Einsatzabschnitt – und werden von der Führung zugewiesen.
- Für Ausbildung und Übung gibt es eigene Rufgruppen, damit der Übungsfunkverkehr den Einsatzbetrieb nicht stört – die Grundlage jeder geplanten Funkübung.
Rufgruppen im THW: TMO, TBZ und DMO
Wie die Rufgruppen benannt und vergeben werden, regelt jede Organisation für sich. Im THW folgt die Benennung der TMO-Rufgruppen einem festen, an die OPTA angelehnten Schema aus zwölf Stellen:
| Stelle | Bedeutung |
|---|---|
| 01–02 | Behördenzugehörigkeit |
| 03–06 | Kfz-Kennzeichen der zugehörigen Regionalstelle |
| 07–10 | Dienststellen-Kurzbezeichnung nach THW-Verzeichnis |
| 11–12 | Laufende Nummer der TMO-Rufgruppe |
Neben den Rufgruppen der einzelnen Ortsverbände und Standorte gibt es Rufgruppen je Regionalbereich, je Landesverband, für die Ausbildungszentren, für die THW-Leitung sowie Sondergruppen etwa für die Ölschadensbekämpfung. Zu jeder Rufgruppe gehört eine Gruppenrufzone, die festlegt, in welchem Gebiet sie überhaupt nutzbar ist – die Ortsverbands-Rufgruppen zum Beispiel im ganzen eigenen Regionalbereich.
TBZ – Taktisch Betriebliche Zusammenarbeit
Für die Zusammenarbeit mit anderen BOS gibt es eigene TBZ-Rufgruppen. Für die Übungsplanung ist der Unterschied zwischen beiden Varianten entscheidend:
- Sofortlagen (Einsatz): Die Nutzung ist sofort und ohne Formalitäten möglich. Eine Nutzung über zwei Stunden hinaus ist bei der Taktisch-Technischen Betriebsstelle THW (TTB-THW) anzuzeigen.
- Zeitlagen (geplante Dienste und Veranstaltungen): Die Nutzung ist im Vorfeld bei der TTB-THW zu beantragen – eine geplante Funkübung mit anderen Organisationen fällt genau in diese Kategorie.
DMO im THW
Im Direktbetrieb ist die DMO-Rufgruppe 726_B* THW als Marschkanal vorgesehen. Weitere DMO-Rufgruppen werden nur auf Anweisung der anfordernden Stelle genutzt.
Maßgeblich sind die Rufgruppenübersichten der Landesverbände sowie das Nutzungs- und Betriebshandbuch (NBHB THW) und die THW-DV 1-820 in der jeweils gültigen Fassung. Für andere Organisationen gelten eigene Rufgruppenkonzepte – die Systematik oben ist THW-spezifisch.
TMO und DMO: die zwei Betriebsmodi
TETRA-Geräte kennen zwei grundsätzlich verschiedene Betriebsarten:
- TMO (Trunked Mode Operation) – der Netzbetrieb: Das Funkgerät bucht sich wie ein Mobiltelefon in die nächste Basisstation ein. Reichweite spielt zwischen den Teilnehmern keine Rolle, solange beide Netzabdeckung haben. TMO ist der Regelfall für den Funkverkehr mit der Leitstelle und zwischen Einheiten.
- DMO (Direct Mode Operation) – der Direktbetrieb: Die Geräte funken unmittelbar von Gerät zu Gerät, ohne Netz – vergleichbar dem alten 2-m-Einsatzstellenfunk. Die Reichweite ist begrenzt, dafür funktioniert DMO auch im Keller, im Tunnel oder bei Netzausfall. Typischer Einsatz: der Funkverkehr an der Einsatzstelle.
Für Übungen ist DMO praktisch: Eine DMO-Übungsgruppe funktioniert überall – auch im Unterrichtsraum, ganz ohne Netzinfrastruktur.
Endgeräte: HRT, MRT, FRT – und die OPTA
Je nach Einbauort unterscheidet man drei Gerätetypen: HRT (Handheld Radio Terminal, das Handfunkgerät), MRT (Mobile Radio Terminal, fest im Fahrzeug verbaut) und FRT (Fixed Radio Terminal, die Feststation etwa in der Unterkunft oder Leitstelle). Über die Zifferntasten setzen die Besatzungen ihre Statusmeldungen nach dem Funkmeldesystem ab, ohne dafür zu sprechen.
Jedes Gerät sendet seine OPTA mit – die operativ-taktische Adresse, die im Display der Gegenstelle erscheint und Organisation, Standort und Funktion codiert. Gesprochen wird trotzdem mit dem Funkrufnamen: Er bleibt die Adresse im Sprechfunkverkehr.
Was der Digitalfunk besser kann – und wo Analogfunk bleibt
Gegenüber dem Analogfunk bringt der Digitalfunk BOS deutlich mehr als nur bessere Sprachqualität:
- Verschlüsselung der gesamten Kommunikation,
- Notruftaste mit priorisiertem Ruf zur Leitstelle,
- Statusmeldungen (etwa „Einsatz übernommen“, „am Einsatzort“) auf Knopfdruck statt per Sprache,
- SDS-Kurznachrichten und Einzelrufe zwischen zwei Geräten,
- gleichbleibende Sprachqualität bis an den Rand der Netzabdeckung.
Der analoge BOS-Funk im 4-m- und 2-m-Band ist damit weitgehend abgelöst, lebt aber mancherorts weiter – etwa als Objektfunk in Gebäuden, als Rückfallebene oder in der Ausbildung. Die gute Nachricht: Die Sprechfunkregeln sind in beiden Welten dieselben – wer sauber funkt, funkt sauber auf jedem Gerät.
Technik verstanden – jetzt Funkdisziplin trainieren
Rufgruppe schalten kann jeder nach fünf Minuten Einweisung – sicheres, diszipliniertes Funken kommt nur durch Übung. Der Sprechfunk Übungsgenerator erstellt dafür komplette Übungen mit 3.684 Funksprüchen, PDF-Vordrucken und Live-Übungsleitung – passende Übungsideen liefern die 12 Szenarien für die Funkübung.
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