Sprechfunk Übungsgenerator

Verkehrsarten im Sprechfunk – was das Gerät technisch hergibt

Die Verkehrsarten sind in der DV 810.3 definiert als die von den technischen Möglichkeiten der Geräte abhängigen Verfahren des Nachrichtenaustauschs. Anders gesagt: Sie beschreiben, ob ein Funkgerät nur senden, nur empfangen, abwechselnd oder gleichzeitig beides kann – und über wie viele Frequenzen das läuft.

Nicht verwechseln: Verkehrsarten hängen von der Technik ab (Richtungs-, Wechsel-, Gegen-, Relaisverkehr). Verkehrsformen beschreiben dagegen das organisatorische Zusammenwirken der Funkstellen (Linien-, Stern-, Kreis-, Querverkehr) – die stehen unter Übungsfunkverkehr.

Diese Seite folgt dem THW-Handbuch Sprechfunk im THW (Kapitel 3.1.2). Die Systematik stammt aus dem Analogfunk, ist aber für das Verständnis von Relais- und Gateway-Schaltungen im Digitalfunk weiterhin die Grundlage.

Richtungsverkehr

Beim Richtungsverkehr wird nur gesendet oder nur empfangen – der Nachrichtenaustausch erfolgt nur in eine Richtung. Eine Antwort ist technisch nicht vorgesehen.

Anwendungsbeispiele: die Funkalarmierung (der Meldeempfänger kann nicht zurücksprechen) und der Radioempfang.

Wechselverkehr (W)

Beim Wechselverkehr kann nur abwechselnd gesendet oder empfangen beziehungsweise gesprochen werden. Ein laufender Beitrag kann daher nur in Sendepausen unterbrochen werden – wer die Sendetaste hält, hat das Wort.

Technisch arbeiten Sender und Empfänger aller Funkstellen auf derselben Frequenz und nutzen daher entweder nur das Oberband oder nur das Unterband. Das ist die Verkehrsart, die dem Sprechfunk sein charakteristisches „kommen“ überhaupt erst nötig macht: Ohne das Signal, dass man aufgehört hat zu senden, weiß die Gegenstelle nicht, wann sie drücken darf.

Gegenverkehr (G) und bedingter Gegenverkehr (bG)

Beim Gegenverkehr wird gleichzeitig gesendet und empfangen – wie beim Telefon. Die Gesprächsteilnehmer können sich dabei während des Sprechfunks gegenseitig unterbrechen. Dafür nutzen die Funkstellen ein Frequenzpaar: Ober- und Unterband gleichzeitig.

Vom bedingten Gegenverkehr (bG) spricht man, wenn nur abwechselnd gesendet und empfangen werden kann. Die verwendeten Frequenzen beziehungsweise geschalteten Bandlagen unterscheiden sich dabei nicht vom Gegenverkehr – sie werden nur abwechselnd statt gleichzeitig genutzt.

Ob mit einem Gerät Gegenverkehr oder nur bedingter Gegenverkehr möglich ist, hängt allein von der technischen Ausstattung des Gerätes ab.

Relaisverkehr

Relaisverkehr bedeutet, dass über eine Relaisfunkstelle gearbeitet wird. Das ist eine Funkanlage, deren Empfängerausgang ständig auf den Sendereingang durchgeschaltet ist – sie arbeitet dadurch im „Wieder-Aussende-Betrieb“: Was sie hört, sendet sie sofort weiter.

Relaisfunkstellen stehen meistens auf hochgelegenen Standorten, um Funkschattenbereiche zu verkleinern. Sie dienen

  • der Vergrößerung der Reichweite beziehungsweise der Verringerung des Funkschattens (RS-1-, RS-3-, RS-4-Schaltung) oder
  • der Überleitung in einen anderen Sprechfunkverkehrskreis oder -bereich (RS-2-Schaltung, „Kanalumsetzer“).

Kehrlage: warum Teilnehmer im Unterband senden

Zur Verwendung als Relaisfunkstelle sind nur gegenverkehrsfähige Geräte geeignet, weil mit ihnen gleichzeitig gesendet und empfangen werden kann. Beim als Relaisstelle verwendeten Gerät muss stets die Rauschsperre eingeschaltet sein – sonst würde der Sender ständig das empfangene Rauschen aussenden.

Das Relaisstellengerät arbeitet grundsätzlich in „Kehrlage“: Sender im Oberband, Empfänger im Unterband (G/O). Am Relaisstellengerät steht der Bandlagenschalter daher auf „O“.

Die über eine Relaisfunkstelle verkehrenden Funkstellen senden folglich im Unterband – am Sprechfunkgerät sichtbar geschaltet – und empfangen im Oberband. Die Verkehrsart lautet also G/U oder bG/U.

Praktische Kontrolle: Ist die Verkehrsart G/U geschaltet, kann die eigene Sprache in der Regel im Handapparat mitgehört werden – man hört sich selbst über die Relaisstelle zurück. Das ist die schnellste Probe, ob das Relais tatsächlich arbeitet.

Die Relaisschaltungen RS-1 bis RS-4

Relaisschaltungen im analogen BOS-Sprechfunk
Schaltung Funktion
RS-1 Schaltung für Trägersteuerung – die kleine Relaisfunkstelle. Sie vergrößert die Reichweite innerhalb eines Sprechfunkverkehrskreises.
RS-2 Schaltung für die Zusammenschaltung von zwei Funkgeräten – die große Relaisfunkstelle, auch „Kanalumsetzer“. Damit lassen sich zwei Sprechfunkverkehrskreise miteinander verbinden.
RS-3 Schaltung für zeitgestaffelten Eintonruf.
RS-4 Schaltung für Mehrtonrufsystem, gegebenenfalls mit Zeitschaltung.

Zu beachten: Beim RS-1-Betrieb wird das Relais aktiv, sobald irgendein Funkgerät im Empfangsbereich die Sendetaste drückt – die Belegung des Relais ist damit eine gemeinsame Ressource aller Teilnehmer. Umso wichtiger ist die Funkdisziplin.

Und im Digitalfunk?

Im Digitalfunk BOS entfallen Bandlagen und Kanalschaltungen: Der Netzbetrieb TMO übernimmt die Reichweitenfunktion der Relaisstelle über die Basisstationen, im Direktbetrieb DMO funken die Geräte unmittelbar miteinander. Die Aufgaben der alten Relaisschaltungen erfüllen dort

  • der DMO-Repeater – vergrößert die Reichweite im Direktbetrieb, funktional das Gegenstück zur RS-1-Schaltung,
  • das DMO-TMO-Gateway – verbindet Direktbetrieb und Netzbetrieb, funktional das Gegenstück zur RS-2-Schaltung.
Nicht einfach einschalten: Repeater- und Gatewayschaltungen sind vorab mit der zuständigen Einsatzleitung abzustimmen und der Taktisch-Technischen Betriebsstelle THW (TTB-THW) auf der betreffenden Rufgruppe anzuzeigen beziehungsweise dort zu beantragen. Details unter Rufgruppen im THW.

Für die Ausbildung bleibt die alte Systematik trotzdem wertvoll: Wer Kehrlage und Trägersteuerung einmal verstanden hat, begreift auch, warum ein DMO-Repeater eine eigene Rufgruppe belegt und nicht beliebig gestapelt werden kann.

Verkehrsarten in der Funkübung anwenden

Teilnehmer eintragen, Funksprüche wählen – Vordrucke, Nachrichtenplan und Live-Übungsleitung erzeugt der Generator. Kostenlos, ohne Anmeldung, quelloffen.

Übung erstellen Reichweite Antennen Übungsfunkverkehr