Sprechfunk Übungsgenerator

Aktualisiert am · Lesezeit ca. 7 Minuten · von Johannes Rudolph, Bereichsausbilder Sprechfunk (THW)

X-Zeit in der Sprechfunkübung

X-Zeit ist eine relative Zeitangabe. X+15 bedeutet: fünfzehn Minuten nach dem festgelegten Beginn. Im Übungsbetrieb tritt sie an die Stelle fester Uhrzeiten im Ablaufplan.

Der Sprechfunk Übungsgenerator hat dafür einen eigenen Spiel-Modus. Er legt jede Nachricht der Übung auf einen X-Zeit-Slot und rechnet während des Betriebs mit. Diese Seite erklärt die Rechnung dahinter und zeigt, wie sich Intervall und Start-Offset sinnvoll wählen lassen.

Kurz gesagt

X-Zeit ist eine relative Zeitangabe ab Übungsbeginn: X+15 heißt fünfzehn Minuten nach dem Start. Der Übungsgenerator legt im X-Zeit-Modus jede Nachricht auf einen solchen Slot, berechnet aus Start-Offset und Intervall. Die Funkstellen sehen einen Countdown bis zur nächsten fälligen Nachricht, die Übungsleitung den Vergleich von Soll und Ist. Das Intervall gilt für die ganze Übung, nicht für die einzelne Funkstelle.

Was die X-Zeit bezeichnet

Die X-Zeit ist ein Bezugszeitpunkt. Er heißt X, weil er beim Planen noch nicht feststeht. Alle weiteren Angaben zählen von ihm aus: X+5, X+20, X+90.

Der Zeitpunkt selbst wird erst am Übungstag gesetzt. Bis dahin bleibt der Plan gültig, egal ob die Übung um 19:00 oder um 19:25 beginnt. Genau das ist der Zweck der Schreibweise.

Zu unterscheiden ist die X-Zeit von der Uhrzeit im Meldevordruck. Dort steht, wann eine Nachricht tatsächlich aufgenommen wurde. Die X-Zeit sagt, wann sie fällig war.

Warum relative Zeiten robuster sind

Ein Ablaufplan mit Uhrzeiten ist nach zehn Minuten Verzug falsch. Wer ihn dann noch benutzt, korrigiert im Kopf mit. Nach der dritten Korrektur stimmen die Zahlen für niemanden mehr.

Bei relativen Angaben bleibt der Abstand zwischen zwei Ereignissen erhalten. Verschiebt sich der Beginn, verschiebt sich der ganze Plan mit. Es gibt nur einen Wert zu korrigieren, und zwar den Startzeitpunkt.

Dazu kommt die Wiederverwendbarkeit. Derselbe Plan trägt zwei Gruppen an zwei Abenden, ohne dass eine Zeile geändert wird. Für die Planung einer Funkübung heißt das: einmal rechnen, mehrfach nutzen.

Der X-Zeit-Modus im Generator

In den Kopfdaten der Übung steht die Auswahl Spiel-Modus mit zwei Möglichkeiten. Klassisch vergibt keine Zeiten; jede Funkstelle arbeitet ihre Liste in eigenem Tempo ab. X-Zeit schaltet zwei zusätzliche Felder frei.

  • Intervall (Min.) – der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Nachrichten der Übung. Vorbelegt mit 3 Minuten.
  • Start-Offset (Min.) – die Vorlaufzeit, bevor die erste Nachricht fällig wird. Vorbelegt mit 0 Minuten.

Aus diesen zwei Zahlen entsteht die gesamte Zeitachse. Sie steht danach im Nachrichtenplan und auf den Druckunterlagen.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Die Zuteilung folgt einer einfachen Formel. Für die Nachricht an Position n gilt:

X+ = Start-Offset + n × Intervall

n zählt über die ganze Übung, nicht je Funkstelle. Angenommen, acht Funkstellen setzen je sechs Funksprüche ab, der Anmeldungs-Funkspruch ist aktiv, das Intervall beträgt 2 Minuten und der Start-Offset 5 Minuten.

  • Die acht Anmeldungen liegen alle auf X+0. Sie sind der Beginn und nehmen keinen eigenen Slot in der Reihe ein.
  • Es bleiben 8 × 5 = 40 Nachrichten für die Zeitachse.
  • Die erste liegt auf 5 + 1 × 2 = X+7, die letzte auf 5 + 40 × 2 = X+85.

Der Übungsbetrieb dauert damit 85 Minuten nach dem Start. Die Reihenfolge läuft rundenweise: erst der zweite Funkspruch aller acht Stellen, dann der dritte, und so weiter. Damit ist jede Funkstelle über den ganzen Abend verteilt beschäftigt.

Das Intervall gegen die Gesamtzahl rechnen

Hier steckt die häufigste Fehlannahme. Das Intervall gilt für die Übung als Ganzes, nicht für die einzelne Funkstelle. Drei Minuten klingen nach wenig und ergeben bei vielen Teilnehmern eine lange Übung.

Zehn Funkstellen mit je zehn Funksprüchen kommen auf 90 Nachrichten in der Reihe. Bei einem Intervall von 3 Minuten liegt die letzte auf X+270. Das sind viereinhalb Stunden.

Deshalb lohnt die Rechnung in die andere Richtung. Für einen Rahmen von 90 Minuten und 40 Nachrichten bleiben gut 2 Minuten je Nachricht. Als Faustformel:

Dauer ≈ Start-Offset + Funkstellen × (Funksprüche − 1) × Intervall

Nach unten gibt es eine Grenze. Ein vollständiger Verkehr mit Anruf, Nachricht und Bestätigung braucht auf dem Kanal 45 bis 90 Sekunden. Ein Intervall unter einer Minute erzeugt daher Wartezeiten, weil die Fälligkeiten schneller auflaufen als der Kanal sie abarbeitet.

Was die Funkstelle am Gerät sieht

In der Teilnehmeransicht erscheint im X-Zeit-Modus ein Banner mit einem Zeitfeld und der Schaltfläche Jetzt starten. Damit setzt die Funkstelle ihre X-Zeit-Basis auf den tatsächlichen Beginn. Ohne gesetzte Basis gibt es keinen Countdown, sondern einen Hinweis darauf.

Ist die Basis gesetzt, zeigt die Ansicht die Restzeit bis zur nächsten fälligen Nachricht. Jede Zeile der Tabelle trägt ihren Slot als Kennzeichen X+n.

Dazu kommt der Fokus-Modus, der nur in diesem Spiel-Modus verfügbar ist. Er blendet die Tabelle aus und zeigt allein die aktuell fällige Nachricht. Künftige Texte bleiben bis zu ihrer Fälligkeit verborgen. Wer vorausliest, kann sich also keinen Vorsprung verschaffen – ein Vorteil gegenüber der ausgedruckten Liste bei der digitalen Funkübung.

Was die Übungsleitung sieht

Die Übungsleitung bekommt im X-Zeit-Modus ein Cockpit. Es zeigt die laufende Uhrzeit, die Laufzeit seit der Basis und den Vergleich zwischen Soll und Ist. Im klassischen Modus bleibt es ausgeblendet, weil dort keine Zeitachse existiert.

Das Soll ist die Anzahl der Nachrichten, die laut Plan bereits fällig sind. Das Ist zählt die tatsächlich abgesetzten. Aus der Differenz entsteht der Plan-Status.

  • Ist mindestens gleich Soll: im Plan.
  • Ein oder zwei Nachrichten Rückstand: Warnstufe.
  • Ab drei Nachrichten Rückstand: deutliche Kennzeichnung.

Der Nutzen liegt im Gegensteuern, bevor die Zeit knapp wird. Zwei Funkstellen mit weniger Sprüchen entlasten den Kanal sofort.

X+n auf den Vordrucken

Die X-Zeit steht auch auf Papier. In Meldevordruck und Nachrichtenvordruck tritt sie an die Stelle der laufenden Nummer und erscheint dort als X+n.

Damit funktioniert eine X-Zeit-Übung ohne jeden Bildschirm. Die Übungsleitung nennt beim Start die Uhrzeit, alle notieren sie, und jede Funkstelle rechnet ihre Fälligkeiten selbst aus. Der Rechenschritt ist ausdrücklich Teil der Übung.

Grenzen des Verfahrens

Eine getaktete Übung verzeiht weniger. Wer zurückfällt, bekommt die nächste Fälligkeit trotzdem, und der Rückstand wächst. Für eine erste Übung nach dem Lehrgang ist der klassische Modus deshalb die bessere Wahl.

Ein Slot ist außerdem keine Sendeerlaubnis. Fällig heißt: ab jetzt darf die Nachricht abgesetzt werden, sobald der Kanal frei ist. Die Betriebsworte und die Regeln zur Verkehrsabwicklung gelten unverändert.

Nachrichten an alle Funkstellen belegen einen eigenen Slot. Sie brauchen auf dem Kanal länger als eine gerichtete Nachricht, weil jede Gegenstelle einzeln bestätigt. Wer viele Rundsprüche einplant, rechnet das Intervall besser großzügiger.

Übung mit X-Zeit erstellen

Teilnehmer eintragen, Spiel-Modus X-Zeit wählen, Intervall und Start-Offset setzen – die Zeitachse rechnet der Generator.

Übung erstellen Nachrichtenplan ansehen Zur Anleitung

Häufige Fragen

Was bedeutet X-Zeit im Sprechfunk?

Eine relative Zeitangabe ab einem Bezugszeitpunkt, der beim Planen noch offen ist. X+15 bedeutet fünfzehn Minuten nach dem festgelegten Beginn. Verschiebt sich der Start, verschiebt sich der ganze Plan mit.

Wie berechnet der Generator die X-Zeiten?

Nach der Formel Start-Offset plus Position mal Intervall. Die Position zählt über die ganze Übung, nicht je Funkstelle; die Anmeldungs-Funksprüche liegen alle auf X+0.

Welches Intervall ist für einen Dienstabend sinnvoll?

Es ergibt sich aus dem Zeitrahmen geteilt durch die Zahl der Nachrichten. Bei acht Funkstellen mit je sechs Sprüchen und 90 Minuten Rahmen sind das etwa 2 Minuten. Unter einer Minute entstehen Wartezeiten, weil ein Verkehr 45 bis 90 Sekunden braucht.

Sehen die Teilnehmer alle Nachrichten im Voraus?

Im Fokus-Modus nicht. Er zeigt allein die aktuell fällige Nachricht und hält künftige Texte bis zu ihrer Fälligkeit verborgen. Ohne Fokus-Modus bleibt die vollständige Tabelle sichtbar.

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