Sprechfunk-Regeln im BOS-Funk – die Grundlagen zum Auffrischen
Ob Feuerwehr, THW, Rettungsdienst oder Hilfsorganisation: Der Sprechfunkbetrieb der BOS folgt gemeinsamen Regeln. Sie stehen in der Dienstvorschrift PDV/DV 810.3 „Sprechfunkdienst“ – einem Auszug aus der umfassenderen PDV/DV 810 „Fernmeldebetriebsdienst“ – und in den darauf aufbauenden Vorschriften der Organisationen, im THW etwa im Handbuch Sprechfunk im THW und in der Taschenkarte Sprechfunk. Diese Seite fasst die wichtigsten Regeln zusammen – als Auffrischung vor der nächsten Funkübung oder als Begleitmaterial für die Grundausbildung. Sie ersetzt keine Vorschrift und keinen Lehrgang, macht aber wieder sattelfest.
Kurz gesagt
Der Sprechfunkbetrieb der BOS folgt der PDV/DV 810.3 „Sprechfunkdienst“, einem Auszug aus der PDV/DV 810. Jede Verbindung beginnt mit Anruf und Anrufantwort, die Betriebsworte regeln den Wechsel zwischen den Funkstellen. Geschrieben wird, was gesendet wird, nicht was man verstanden zu haben glaubt. Die Regeln gelten organisationsübergreifend.
Die Grundsätze: kurz, klar, diszipliniert
Die Grundsätze der Sprechfunkverkehrsabwicklung stehen so im Ausbildungshandbuch Sprechfunk im THW und decken sich mit der PDV/DV 810.3:
- So kurz wie möglich, aber so umfassend wie nötig: Nur senden, was der Empfänger für sein Handeln braucht – aber vollständig.
- Nicht erforderliche Wörter und Höflichkeitsformeln weglassen: „bitte“, „danke“, „Grüße an …“ entfallen.
- Abkürzungen vermeiden: Was ausgeschrieben eindeutig ist, wird als Kürzel schnell zur Rückfrage.
- Deutlich und dialektfrei sprechen: Das Funkgerät macht aus Nuscheln kein Hochdeutsch.
- Bei mitschreibender Gegenstelle langsam sprechen: Wer auf den Meldevordruck diktiert, gibt dem Gegenüber Zeit zum Mitschreiben.
- Eigennamen, Ortsnamen und schwer verständliche Wörter buchstabieren – nach der Buchstabiertafel Inland.
- Personennamen und Amtsbezeichnungen vermeiden: Gesprochen wird die Funkstelle, nicht die Person.
- Teilnehmer werden grundsätzlich mit „Sie“ angeredet – auch unter Kameraden, die sich sonst duzen.
- Rufgruppe freihalten: Vor dem Senden hineinhören, laufenden Funkverkehr nicht unterbrechen. Unterbrochen werden darf nur für Blitz- und Staatsnot-Nachrichten sowie bei Störungen.
Zusammengefasst heißt das Funkdisziplin – und genau sie entscheidet in echten Lagen darüber, ob die Rufgruppe trägt oder zusammenbricht.
Anruf und Anrufantwort
Jede Verbindung beginnt mit dem Anruf: zuerst der Funkrufname der Gegenstelle, dann das Wort von, dann der eigene Funkrufname, abgeschlossen mit kommen:
Anruf: „Florian Musterstadt 11/1 von Florian Musterstadt 47/1 – kommen!“
Anrufantwort: „Hier Florian Musterstadt 11/1 – kommen!“
Nachricht: „Übernehmen Sie die Wasserversorgung am Abschnitt Nord – kommen!“
Empfangsbestätigung: „Verstanden – Ende!“
Merkregel für die Reihenfolge: „Wen rufe ich – von wem – kommen.“ Erst wenn die Gegenstelle geantwortet hat, wird die eigentliche Nachricht gesendet. Abgeschlossen wird das Gespräch von der aufnehmenden Funkstelle: Sie bestätigt den Empfang mit verstanden und schließt mit Ende – oder meldet ihrerseits weitere Nachrichten an. Kommt keine Verbindung zustande, ist der Anruf abzubrechen: „Keine Aufnahme – Ende.“
Erweiterter Anruf und blinde Beförderung
Meldet sich die Gegenstelle nicht sofort, folgt der erweiterte Anruf: Der Anruf wird bis zu dreimal wiederholt, das „kommen“ steht nur am Schluss.
„Heros Göttingen 21/10 von Heros Göttingen 86,
Heros Göttingen 21/10 von Heros Göttingen 86,
Heros Göttingen 21/10 von Heros Göttingen 86 – kommen.“
Antwortet die Gegenstelle auch dann nicht, darf die Nachricht „blind befördert“ werden: erweiterter Anruf ohne die Aufforderung „kommen“, die Nachricht wird zweimal durchgegeben, abgeschlossen mit „Ende“. Der Aufgeber der Nachricht ist darüber zu unterrichten.
An- und Abmeldung im Sprechfunkverkehrskreis
Ein Sprechfunkverkehrskreis ist die Gruppe taktisch zusammenwirkender Einheiten, die über Sprechfunk miteinander kommunizieren. Wer daran teilnehmen will, muss sich bei der Betriebsleitung beziehungsweise Leitstelle anmelden – und beim Verlassen wieder abmelden. Beides jeweils mit Angabe des Grundes.
Anmeldung: „Anmeldung im Sprechfunkverkehrskreis; auf der Fahrt von Musterstadt nach Musterdorf.“
Abmeldung: „Abmeldung aus dem Funkverkehrskreis; verlassen Fahrzeug.“
In der Übung ist das mehr als Formalie: Die Übungsleitung weiß dadurch jederzeit, wer tatsächlich am Gerät ist – und der Generator hält die Anmeldungen im Übungs-Cockpit fest.
Die wichtigsten Betriebsworte
| Betriebswort | Bedeutung |
|---|---|
| „hier“ | Kennzeichnet die sich meldende Gegenstelle – das erste Wort jeder Anrufantwort. |
| „von“ | Verbindet beim Anruf die beiden Rufnamen: gerufene Stelle von eigener Stelle. |
| „kommen“ | Aufforderung an die Gegenstelle zu antworten – schließt jede eigene Durchsage ab, auf die eine Antwort erwartet wird. |
| „Ende“ | Beendet grundsätzlich jeden Fernmeldeverkehr; die Rufgruppe ist wieder frei. |
| „verstanden“ | Empfangsbestätigung für eine zweifelsfrei aufgenommene Nachricht. |
| „warten“ | Aufforderung an die Gegenstelle, den Nachrichtenaustausch für ca. fünf Sekunden zu unterbrechen. Für alle anderen Funkstellen besteht in dieser Zeit Sendeverbot; die Wartezeit beträgt höchstens eine Minute. |
| „ich rufe wieder – Ende“ | Statt „warten“ zu verwenden, wenn die gerufene Funkstelle nicht innerhalb von ca. fünf Sekunden antworten kann. |
| „ich rufe zurück“ | Antwort, wenn die angerufene Funkstelle die Aufgabe oder Frage nicht lösen kann. |
| „wiederholen Sie“ | Aufforderung zur Wiederholung – gezielt mit „alles vor …“, „alles nach …“ oder „alles zwischen … und …“. |
| „ich wiederhole“ | Leitet die eigene Wiederholung ein; sie beginnt mit dem zuletzt verstandenen Bezugswort. |
| „ich berichtige“ | Berichtigt einen Sprech- oder Durchgabefehler sofort; danach wird mit dem letzten richtig gesprochenen Wort fortgesetzt. |
| „falsch“ / „richtig“ | „Falsch“: Die gesprochene Nachricht oder ein Teil davon ist falsch. „Richtig“: So ist es richtig, wie soeben übermittelt oder wiederholt wurde. |
| „Frage“ | Wird vor jeder Frage gesprochen („Frage – Standort – kommen“). |
| „ja“ / „nein“ | Wird gesprochen, wenn eine Frage bejaht oder verneint werden kann. Erklärungen werden ohne Anforderung nicht gegeben. |
| „ich buchstabiere“ | Kündigt an, dass ein gesprochenes Wort nach Buchstabiertafel buchstabiert wird. |
| „Frage Verständigung“ | Prüft die Sprechverbindung. Antworten: „Verständigung gut“ – „schwach, aber noch verständlich“ – „schlecht, ich kann Sie nicht aufnehmen“. |
Die vollständige Liste mit Beispielsätzen steht auf der Seite Betriebsworte im BOS-Funk.
Buchstabieren und Zahlen ansagen
Namen, Straßen und ungewöhnliche Begriffe werden nach der Buchstabiertafel buchstabiert – angekündigt mit „ich buchstabiere“. Im BOS-Sprechfunk gilt dafür grundsätzlich die Buchstabiertafel Inland (Anton, Berta, Cäsar …). Das internationale Alphabet (Alpha, Bravo, Charlie …) kommt nur im Verkehr mit militärischen Dienststellen und im Warndienst zum Einsatz. Die DIN 5009:2022 mit Städtenamen (Aachen, Berlin, Chemnitz …) ist eine zivile Norm für das Diktieren und ersetzt die BOS-Tafel nicht.
Zahlen werden nicht buchstabiert, sondern nach der Zahlentafel angesagt: verfremdet ausgesprochen („zwoh“, „fieärr“, „fünneff“) und als ganze Zahl – 21 heißt „einssundzwanzich“, nicht „zwo eins“. Nur Uhrzeiten werden ziffernweise und vierstellig gesprochen („einss-nuhl-drrei-nuhl“). Genau diese Fertigkeiten trainieren die Buchstabieraufgaben und Zahlen-Funksprüche im Übungspool.
Nachrichten aufnehmen: schreiben, was gesendet wird
Wichtige Nachrichten werden gehört und zugleich schriftlich aufgenommen – im Einsatz wie in der Übung auf dem Meldevordruck. Das zwingt zum Mitschreiben in Echtzeit, deckt Lücken sofort auf („wiederholen Sie ab…“) und liefert der Übungsleitung später die Grundlage für die Auswertung: Gesendetes und Aufgenommenes lassen sich Wort für Wort vergleichen.
Regeln kann man lesen – Funkdisziplin muss man üben
Anruf, Betriebsworte und Buchstabieren sitzen erst, wenn sie regelmäßig unter leichtem Druck angewendet werden. Genau dafür gibt es den Sprechfunk Übungsgenerator: Er verteilt 3.684 Funksprüche auf die Teilnehmer, erzeugt Vordrucke und Regiebuch und begleitet die Übung live – vom kurzen Dienstabend bis zur eingekleideten Szenario-Übung.
Die nächste Sprechfunkübung starten
Teilnehmer eintragen, Funksprüche wählen – Vordrucke, Nachrichtenplan und Live-Übungsleitung erzeugt der Generator. Kostenlos, ohne Anmeldung, quelloffen.
Übung erstellen Betriebsworte Buchstabiertafel Übungsfunkverkehr