Funkrufnamen – die Adressen im BOS-Sprechfunk
Im BOS-Funk spricht niemand Personen an, sondern Funkstellen: Der Funkrufname ist die taktische Adresse eines Fahrzeugs, einer Führungsstelle oder eines Trupps – unabhängig davon, wer gerade das Mikrofon hält. Wer die Systematik einmal verstanden hat, erkennt am Rufnamen sofort Organisation, Herkunft und Funktion der Gegenstelle. Diese Seite erklärt den Aufbau, listet die gängigen Organisationskennwörter und zeigt, wie Funkrufnamen im Sprechfunkverkehr richtig verwendet werden.
Kurz gesagt
Im BOS-Funk werden keine Personen angesprochen, sondern Funkstellen. Der Funkrufname ist die taktische Adresse eines Fahrzeugs, einer Führungsstelle oder eines Trupps und bleibt gleich, auch wenn die Besatzung wechselt. Er besteht aus Kennwort, Ort und Kennzahlen. Am Kennwort erkennt man die Organisation, etwa Florian für die Feuerwehr.
Der Aufbau: Kennwort, Ort, Kennzahlen
Funkrufnamen folgen in ganz Deutschland demselben Grundmuster:
Organisationskennwort + Ortsbezeichnung + Kennzahlen
- Das Organisationskennwort nennt die Organisation – „Florian“ für die Feuerwehr, „Heros“ für das THW, „Rotkreuz“ für das DRK.
- Die Ortsbezeichnung benennt Gemeinde, Landkreis oder Ortsverband: „Florian Musterstadt“, „Heros Oldenburg“.
- Die Kennzahlen unterscheiden die einzelnen Funkstellen: Standort, Fahrzeug- oder Einheitstyp und laufende Nummer. Ihre genaue Bedeutung regeln die Bundesländer und Organisationen in eigenen Funkrufnamenrichtlinien – dieselbe Zahl kann in Bayern etwas anderes bedeuten als in Niedersachsen.
Organisationskennwörter im Überblick
Ein Detail, das in der Ausbildung gern untergeht: Viele Organisationen hatten im Analogfunk zwei verschiedene Kennwörter – eines im 4-m-Band und ein abweichendes im 2-m-Band. Im Digitalfunk BOS gilt durchgängig das Kennwort des 4-m-Bandes. Die folgende Übersicht entspricht der Tabelle „Funkkennwörter der BOS“ aus dem Ausbildungshandbuch Sprechfunk im THW.
| Organisation | Kennwort 4 m & Digitalfunk | Kennwort 2 m |
|---|---|---|
| Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) | Heros | Heros |
| Feuerwehr | Florian | Florentine (teilweise Florian) |
| Deutsches Rotes Kreuz (DRK) | Rotkreuz | Äskulap |
| Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) | Akkon | Jonas |
| Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) | Sama | Samuel |
| Malteser Hilfsdienst (MHD) | Johannes | Malta |
| Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) | Pelikan | Adler |
| DRK Bergwacht | Bergwacht | Bergwacht |
| Katastrophenschutzbehörde | Kater | Kater |
Für die Träger der Rettungshubschrauber gilt zusätzlich das BOS-Kennwort „Christoph“.
Weil die Feuerwehren in kommunaler Trägerschaft stehen, gelten für ihre Funkrufnamen landesspezifische Regelungen; im Digitalfunk BOS wird dort teilweise die OPTA als Funkrufname genutzt. Daneben existieren regionale Besonderheiten – etwa eigene Kennwörter für Rettungsdienst-Leitstellen oder die länderspezifischen Rufnamen der Polizei. Für Übungen gilt: Das Kennwort der eigenen Organisation verwenden, dann stimmt auch der Trainingseffekt.
Beispiele: Feuerwehr und THW
Zwei typische Muster zeigen, wie die Kennzahlen funktionieren:
- „Florian Musterstadt 1/46-1“ – Feuerwehr Musterstadt, Standort 1, Fahrzeugtyp 46, erstes Fahrzeug dieses Typs. Welche Zahl für welchen Fahrzeugtyp steht (Löschfahrzeug, Drehleiter, Rüstwagen …), legt die Funkrufnamenrichtlinie des jeweiligen Bundeslandes fest.
- „Heros Musterstadt 21/10“ – THW-Ortsverband Musterstadt. Die THW-Funkrufnamenregelung ist bundesweit einheitlich und vierstellig aufgebaut: Die 1. und 2. Ziffer beschreiben die taktische Einheit oder Dienststelle (hier 21, der Zugtrupp des 1. Technischen Zuges), die 3. und 4. Ziffer die Kfz- oder Personenkennung (hier 10). Steht dort 00, wird die Ziffernfolge nicht mitgesprochen – „Heros Aalen 21/00“ ist also schlicht „Heros Aalen einssundzwanzich“. Details und weitere Beispiele auf der Seite Funkrufnamen im THW.
Im Digitalfunk kommt zusätzlich die OPTA hinzu – die operativ-taktische Adresse, die im Gerätedisplay erscheint. Gesprochen wird aber weiterhin der Funkrufname: Er ist das, was Teilnehmer hören, verstehen und sauber aussprechen müssen.
Funkrufnamen im Sprechfunk richtig verwenden
- Immer vollständig beim Anruf: zuerst die Gegenstelle, dann „von“, dann der eigene Rufname – „Florian Musterstadt 1/46-1 von Florian Musterstadt – kommen!“ Die ganze Systematik steht unter Sprechfunk-Regeln.
- Keine Klarnamen: Gesprochen wird die Funkstelle, nicht die Person – auch wenn man genau weiß, wer am anderen Ende sitzt.
- Kennzahlen ziffernweise: Die Ziffern eines Funkrufnamens sind Kennungen, keine Zahlwerte – „einss – fieärr – sechs“ statt „einsshundärrtsechsundfieärrzich“. Ausgesprochen wird nach der Zahlentafel, also „zwoh“ statt „zwei“. Achtung: Für Zahlen im Nachrichtentext gilt das Gegenteil – die werden als ganze Zahl gesprochen.
Rufnamen üben – mit den eigenen, nicht mit erfundenen
Rufnamen-Sicherheit entsteht durch Wiederholung: hören, zuordnen, korrekt ansprechen. Im Sprechfunk Übungsgenerator trägst du die echten Funkrufnamen deiner Einheit als Teilnehmer ein – der Generator verteilt die Funksprüche darauf und erzeugt Vordrucke und Regiebuch. So prägt sich mit jeder Übung genau die Systematik ein, die im Einsatz gebraucht wird.
Rufnamen im Verkehr richtig verwenden
Beim Anruf wird zuerst die gerufene Stelle genannt, dann die eigene. Die Reihenfolge ist festgelegt und hat einen praktischen Grund: Die gerufene Stelle erkennt am ersten Wort, dass sie gemeint ist, und hört ab da aufmerksam zu.
Innerhalb eines eingespielten Verkehrskreises wird der Rufname häufig verkürzt, etwa nur die Kennzahl ohne Ort. Zulässig ist das, solange keine Verwechslung möglich ist. Sobald fremde Stellen mithören, gilt wieder der vollständige Rufname.
In der Übung lohnt es, beide Formen zu trainieren. Wer nur die Kurzform kennt, fällt bei einer organisationsübergreifenden Lage auf.
Mit den eigenen Rufnamen üben
Teilnehmer mit ihren Funkrufnamen eintragen, Umfang festlegen – den Rest erzeugt der Generator. Kostenlos, ohne Anmeldung, quelloffen.
Übung erstellen Funkrufnamen im THW BOS-Funk Grundlagen Sprechfunk-Regeln